Titelbild
Sprache Deutsch Language Englisch
Sie sind hier: Startseite  /  Über uns  /  Reiseberichte  /  Alla Mueller: 26.02. - 18.03.2000

Nordlichter und Husky-Chor

26.02. ? 18.03.2000

Ich sitze im Flieger und heule. Verstohlen und beschämt schaue ich mich um, ob es irgend jemand bemerkt hat. Wir sind gerade in Fairbanks gestartet und es geht Richtung Heimat zurück. Scheint nicht so, dass es einem der Mitreisenden unangenehm aufgefallen ist. Verwundert stelle ich statt dessen fest, dass der Mann direkt hinter mir ebenfalls heult. Ist das normal, wenn man Alaska wieder verlässt??? Ist das Heulen der Huskys vielleicht ansteckend?

Ich jedenfalls kann meine Gefühle nicht mehr kontrollieren, und je mehr ich die Bilder dieses Urlaubs Revue passieren lasse, desto schlimmer wird es, und umso mehr möchte ich wie ein Husky laut losheulen. Dieser Urlaub war die Erfüllung des langgehegten Traumes, Alaska im Winter zu erleben. Aber "Erfüllung" ist eigentlich das falsche Wort, denn meine Träume sind bei weitem übertroffen worden und haben das Alaska-Fieber erst so richtig entfacht. Dieser Urlaub war erst der Anfang, denn neue Wünsche sind geweckt worden, ich möchte noch mehr von diesem Land kennen lernen und sehen. Und ich mache bereits auf diesem Rückflug Pläne ...

Angefangen hat der Urlaub mit einem entnervend langen Flug von Basel, über Amsterdam, Seattle, Anchorage bis nach Fairbanks. Ankunft in Fairbanks nachts um 23.00 Uhr nach insgesamt 26 Stunden. Ich bin völlig geschafft, aber trotzdem gespannt, was auf mich zukommt. Andi und Bea Hutten wollen mich am Flughafen abholen. Ich kenne die beiden noch nicht, wir hatten bisher lediglich ein paar Faxe hin und her geschickt, um die groben Details der Reise zu klären. Als ich den Zoll passiert habe, sehe ich die beiden an der Rolltreppe stehen. Die beiden roten Jacken, die sie tragen, waren zwar als Erkennungsmerkmal vereinbart worden, aber auch ohne das hätte ich sie erkannt. Zwei paar offene neugierige Blicke schauen mir entgegen, und dann ein breites Lachen als ich Ihnen kurz zuwinke. Die beiden sind mir auf Anhieb sympathisch. Bis das Gepäck endlich kommt, haben wir ein bisschen Zeit uns zu beschnuppern. Ich bin mir sicher, mit denen werde ich es drei Wochen aushalten.

Dann der erste Kältetest. Es hat in dieser Nacht ?30° C. Ich hatte zuhause extra noch daran gedacht, eine lange Unterhose im Handgepäck mitzunehmen, die ich dann im Flieger vor der Landung anziehen wollte. Aber in meiner Aufregung, endlich in Alaska zu sein, habe ich das glatt vergessen. Jetzt werde ich schmerzlich daran erinnert, als die Kälte sich sofort durch die dünne Jeans beißt. Andi holt mich mit seinem großen Dog-Truck vom Flughafen ab, da er die Gelegenheit, nach Fairbanks fahren zu müssen, gleich mit einem Training seiner Rennhunde auf dem Raceplatz in Fairbanks genutzt hatte. Die Hunde müssen jetzt noch mal raus zum pinkeln ("droppen", wie Andi es nennt). Wir fahren also zunächst einmal, es ist inzwischen Mitternacht, einen großen leeren Parkplatz an. Andi und Bea laden alle 24 Hunde aus den Boxen aus und lassen sie eine Viertelstunde laufen, um alle Geschäfte zu erledigen. Ich werde teils stürmisch, teils zurückhaltend von feuchten Hundenasen begrüßt und muss bereits ausgiebig Streicheleinheiten verteilen. Nachdem alle Hunde wieder eingeladen sind, geht es endlich aus Fairbanks raus auf den Highway Richtung Nenana. Ca. eine Stunde Fahrt liegt noch vor uns. Über uns ein grandioser Sternenhimmel, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Und dann nach ca. ½ Stunde Fahrt auch noch die ersten Nordlichter. Was für eine Begrüßung in Alaska!!!

Mein erster Tag in Alaska beginnt zunächst einmal mit Ausschlafen. Um ca. 8.00 Uhr wird es hell und ich höre auch schon Bea und Andi rumoren. Also stehe ich auch auf. Ein erster Blick aus dem Fenster lässt mich ahnen, wie kalt es draußen ist: Das Fenster ist von vereist!

Das Wetter sieht jedoch vielversprechend aus: strahlend blauer Himmel und Sonne. Und das sollte insgesamt die ganzen drei Wochen auch so anhalten.

Nach einem gemütlichen Frühstück, fahren wir erst einmal nach Nenana. Dort ist heute Vormittag der Start zum Serum Memorial Rennen. Ein Rennen, das jeweils eine Woche vor dem offiziellen Start des Iditarod veranstaltet wird, jedoch auf der historischen Originalstrecke von Nenana nach Nome. Dieses Rennen hat allerdings keinen Wettkampf-Charakter, nur das Dabei-Sein ist gefragt, und die ganz großen, alten Stars des Iditarod lassen sich hier feiern.

Für mich ist es unglaublich aufregend, plötzlich vor all den Größen des Iditarod zu stehen, über die ich bereits so viel gelesen habe. Jerry Riley, über 60 Jahre alt, begrüsst mich lachend: "You look like a typical German!" Bin mir nicht sicher, ob das ein Kompliment war, wahrscheinlich nicht?!? Norman Vaughan, inzwischen 94 Jahre alt, sitzt umgeben von einer Heerschar Reportern, Begleitern, Fotografen, Neugieriger in einem Super-Turbo-High-Tech-Snow-Mobil und lässt sich feiern.

Nach den Ende des Starts fahren wir zurück zum Kennel, und ich habe erst einmal Gelegenheit mir das Blockhaus und das Gelände anzuschauen und die ca. 70 Hunde zu begrüßen. Nach dem ersten Rundgang durch Hundelager und Verteilen von Streicheleinheiten für jeden (Bea kriegt auch einen Hundeskuss als "Dankeschön" ab), folgt die tägliche Arbeit:


Zunächst Füttern der Hunde. Sie bekommen morgens jeder zwei Liter Flüssigkeit: Warmes Wasser gemischt mit dem restlichen Fisch vom Vortag. Dazu füllen wir sechs 20-Liter-Eimer heißes Wasser im Haus ab und transportieren die vollen Eimer auf einem Plastik-Schlitten zur Hunde-Küche. Vom Vortag ist noch ein Eimer voll Futter übrig, Fisch mit Reis. Dieser hat ebenfalls im Haus gestanden, da er sonst in der Hunde-Küche im Freien zu einem Einsblock gefroren wäre. Er wird gleichmäßig unter die sechs Eimer mit Wasser gemischt, damit das ganz einfach ein bisschen Geschmack hat. Dann folgt das Schleppen der Eimer, um jedem Hund zwei Löffel voll mit Riesenschöpfern auszuteilen. Jeder Hund hat zwar an seiner Hütte einen befestigten Fressnapf, aber viele von Ihnen schaffen es, den aus der Halterung zu kriegen und verstecken ihn in ihrer Hundehütte, oder kicken ihn durch ganze Camp. Bei den meisten Hunden heißt es deshalb zunächst einmal, entweder Napf suchen, oder auf dem Boden liegend in die Hundehütte zu kriechen und den Napf heraus zu fischen. Bei Sushi findet ich gleich drei Näpfe in der Hütte. Möchte wissen, wie sie das geschafft hat.

Als zweiter Arbeitsgang folgt dann Entfernen der Hundehaufen. Erst denke ich noch, warum drückt mir Andi denn dafür solch eine schwere Schaufel in die Hand, um bloß ein paar Hundehaufen aufzuschippen? Sehr schnell weiß ich es. Die Haufen sind zusammen mit dem Schnee oder Eis beinhart eingefroren und müssen mehr oder weniger rausgehauen werden. Statt der Schaufel wünsche ich mir bei manchen sogar einen Pickel.
Andi hält mir einen Vortrag über Hundekot, wie er normalerweise bei einem gesunden Hund aussehen sollte, wie er nicht aussehen sollte, zu hell, zu dunkel, zu dünn, Blut drin. All das gibt Aufschluss über den Gesundheitszustand seiner Hund, und ist deshalb ganz wichtig für ihn. Also nicht nur Scheiße schaufeln, sondern auch noch genau anschauen und Bericht an Andi!

Die Hundehaufen werden auf einem Plastik-Schlitten gesammelt, und diese Sammlung dann im Wald auf dem Hunde-Haufen-Hügel entsorgt. Dies ist der gefährlichste Teil des Tages, denn auf diesen Hügel führt eine Trittleiter als schmaler Steg, der auch noch total vereist ist. Hier muss man selbst zunächst heil raufkommen und dann auch noch den Schlitten hinauf balancieren, ohne die wertvolle Fracht bereits vorher zu verlieren! Allerdings bin ich froh, dass ich diesen Hügel im Winter erlebe in gefrorenem Zustand. Die Vorstellung von der Sommervariante finde ich nicht sehr verlockend.

 

Danach wird?s für mich Ernst. Ich bekomme meine erste Lehrstunde von Bea, wie man den Hunden das Zug-Geschirr anlegt. Als Demonstrationshund muss Fuchur herhalten. Er ist der Senior-Chef im Camp und genießt im Alter von elf Jahren inzwischen das Leben als Pensionär und Haushund. Als er Bea und mich mit dem Geschirr auf ihn zugehen sieht, verdrückt er sich augenblicklich in seine Hütte. Mit misstrauischem Blick schaut er vorsichtig heraus, ob Bea das tatsächlich ernst meint, und ein Geschirr anlegen und vielleicht sogar noch vor einen Schlitten spannen will. Er mag nicht mehr laufen und Schlitten ziehen. Nach gutem Zureden von Bea kommt er zwar aus seiner Hütte raus, steht aber da und zittert am ganzen Leib. Er traut der Sache nicht. Bea zieht ihm das Geschirr an und erläutert mir dabei die einzelnen Schritte. Fuchur ist überglücklich als wir ihm das Geschirr wieder ausziehen. Dann jedoch bin ich an der Reihe, es zu probieren. Das geht im zu weit. Aber es hilft nichts, er muss noch einmal still halten. Er lässt es über sich ergehen, wie ein Himmelfahrtskommando, am ganzen Leib zitternd, aus lauter Angst er müsste tatsächlich noch mal laufen.

Die vier Puppies ziehen heute erst zum zweiten Mal einem Schlitten. Demzufolge gestaltet sich auch das Geschirr anziehen schwierig, denn Andi lässt mich das ganz allein bei allen acht Hunden machen. Bei den vier erfahrenen ist das gar kein Problem, sie steigen schon fast von selbst in das Geschirr, zeigen mir quasi wie's geht. Bei den Puppies wird's dann allerdings schwieriger. Sie sind genauso unerfahren wie ich. Ein mordsmäßiges Gestrampel und Gezappel bis ich diese vier im Geschirr habe. Bis ich alle acht Hunde angeschirrt und dann noch vor den Schlitten gespannt habe, bin ich klatschnass geschwitzt. Eine Chance zum Umziehen gibt es jedoch nicht mehr, denn jetzt muss es schnell gehen. Die Hunde springen und jaulen und zerren und wollen endlich los.

Ich setze mich also in den Schlitten, Andi stellt sich hinten drauf, und dann geht's auch schon mit einem Mordstempo los. Der kalte Wind schneidet mir ins Gesicht und ich merke, wie meine nass geschwitzten Klamotten langsam gefrieren. Um mein Gesicht etwas zu schützen, versuche ich, wenigstens mein Halstuch etwas über das Kinn zu ziehen. Das bringt allerdings nichts, es ist viel zu dünn.

Ein wahnsinniges Gefühl, ohne Motorgeräusch über den Schnee zu dahin fliegen! Viel zu schnell sind die zehn Meilen vorbei und wir wieder zurück im Camp.

Jetzt bin ich dran und soll selbst einen Schlitten steuern. Allerdings noch ohne Hunde. Andi spannt den Schlitten hinter sein Snow-Mobil und zieht mich damit, dafür aber mit einem umso höheren Tempo. Aber die Sache klappt prima. Die Hände frieren mir jedoch langsam aber sicher ein, werden gefühllos. Egal, es ist einfach grandios, einem wunderschönen Sonnenuntergang entgegen zu fahren, nach einem tollen Tag bei schönstem Wetter.

Aber der Tag ist noch nicht zu Ende. Jetzt kommt erst noch einmal der zweite Teil der täglichen Arbeit. Das Füttern der Hunde am Abend. Jetzt bekommen sie ihre Hauptmahlzeit, ein Liter Fischsuppe. Dazu wird bereits morgens der gefrorene Fisch mit Wasser und Reis zu Kochen aufgesetzt. Also wieder Eimer schleppen und jedem Hunden einen Schöpfer dieser Riesenkelle austeilen. Es scheint zu schmecken. Ein lautes Gejaule, bis jeder etwas hat. Sie stürzen sich regelrecht darauf, manche fressen es einem schon direkt aus dem Schöpflöffel weg, können es gar nicht erwarten bis sie es im Napf haben.

Zum Abendessen sind zwei Schweizer Nachbarn Tina und Rudi eingeladen. Tina ist ein Original mit ihrem treffsicheren, sarkastischen Humor. Rudi wird seit Jahren als Rennrichter beim Iditarod eingesetzt. Und natürlich dreht sich das Gespräch beim Essen um die Musher, die bei allen Rennen immer wieder dabei sind. Andi und Rudi kennen sie alle persönlich und erzählen die abenteuerlichsten Geschichten über sie. Wieder tauchen sämtliche Namen auf, über die ich schon so viel gelesen habe: Rick Swenson, Joe Regington, Jerry Riley, Dan Daigle, Egil Ellis .....

Um 22.00 Uhr fahren wir dann mit den Renn-Hunden, die noch im Dog-Truck sind, nochmals zum Pinkeln raus. Saukalt, todmüde. Es war fast zuviel für den ersten Tag! Ich falle ins Bett, schon beim Essen konnte ich die Augen kaum noch offen halten. Kann dann aber trotzdem die ganze Nacht nicht schlafen. Mit ist schlecht vor Müdigkeit, aber ich bin gleichzeitig hellwach. Verdammter Jetlag.

Der zweite Tag: Es ist leicht bewölkt. Das Fenster in meinem Zimmer ist wieder von innen vereist, draußen ?30° C. Vor dem Frühstück erst wieder die Renn-Hunde im Dog-Truck zum Pinkeln fahren. Dann die Hunde im Camp füttern, Hundehaufen wegschaufeln, und dann gibt?s endlich Frühstück. Allerdings ausgiebig und wir gammeln auch danach noch auf der Couch rum. Mittags erteilt mir Andi dann den Auftrag eine Viertelstunde rauszugehen und mir ganz allein und in Ruhe mein Hundeteam auszusuchen, mit dem ich dann meine erste Ausfahrt machen soll. Vier Hunde sollen es sein. Wieder gehe ich durch alle Reihen, streichle jeden und rede mit ihnen. Es ist jetzt ganz ruhig im Lager. Da noch keiner von uns auf die Schlitten zugegangen ist, besteht auch bei den Hunden noch kein Alarm. Die Hunde halten noch Siesta, und es tauchen immer nur die Hunde auf, deren Hütte ich passiere, denn die Streicheleinheiten will keiner verpassen. Die Wahl fällt diesmal schon nicht mehr so schwer. Andi hat mir aufgetragen, zwei starke und erfahrene Rüden als Wheel-Dogs auszuwählen, die direkt vor dem Schlitten eingespannt werden und kräftig ziehen müssen, und zwei intelligente Hündinnen als Leader. Und das von einem Mann!

Meine Wahl fällt auf Dino und Polar Bear, zwei große, kräftige Rüden und Mousi und Micah, zwei zierliche Hündinnen. Ich darf sie selbst an die Stake-Out-Line bringen, Geschirr anlegen und einspannen. Bea macht sich ebenfalls einen Schlitten fertig mit vier Hunden. Jetzt ist wieder helle Aufregung im Camp: Bellen, Heulen, Springen, hundert bettelnde Hunde-Augen, jeder will mit und hofft auf das große Los. Bea und ich sind fertig und geben uns Zeichen, dass es los gehen kann. Verständigung ist bei dem Lärm im Camp nur noch per Handzeichen möglich. Absprachen müssen vorher getroffen sein, die sind jetzt nicht mehr möglich. Bea will vorausfahren und ich soll ihrem Schlitten folgen. Als Bea das Camp verlässt, sind meine Hunde nicht mehr zu halten. Als ich den Anker rausnehme und die Bremse ganz vorsichtig löse, ist das Kommando "Hike" völlig überflüssig. Es hängt sinnlos 30 m hinter mir in der Luft, denn meine Hunde sind schon längst mit mir davon gerannt.

Ein wahnsinniges Gefühl, hinten auf dem Schlitten zu stehen, durch die endlos weite, weiße Landschaft zu fliegen, einem traumhaften Sonnenuntergang entgegen, nur das Hecheln der Hunde zu hören, und den eigenen Puls, der vor Aufregung zu den Ohren hinaus hämmert. Aber das legt sich nach den ersten paar Minuten, als ich merke, das die Sache gar nicht so schwierig ist, und ich den Hunden voll vertrauen kann.

In der Umkehrschleife des Trails passiert es dann gleich zwei mal hintereinander: Schleuderabwurf in der Kurve. In hohem Bogen fliege ich vom Schlitten, Gott sei dank in weichen Tiefschnee. Bea fängt mein Team auf, und ich dann die vorwurfsvollen Blicke aus acht Hundeaugen: "Was haben wir denn da für ein Greenhorn auf dem Schlitten!" Glücklich wieder zurück im Camp empfängt uns wieder das übliche Riesengeheul. Ausschirren, Leinen sortieren, Hunde zu ihren Hütten zurückbringen und viel Lob verteilen. Dann noch das abendliche Füttern, erst die Hunde und dann uns selbst, und dann wieder todmüde ins Bett fallen.

Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Jeden Tag fahren wir mit den Schlitten raus. Inzwischen darf ich mit sechs Hunden fahren und die Runden werden immer größer. Spezialtraining auf einem von Andi extra dafür angelegten Trainings-Trail mit vielen Haarnadelkurven, Baumstämme als Hindernisse, steiles rauf und runter. Ich schaffe den Trail mit nur zwei Abwürfen. Bin mächtig stolz.

Am Wochenende kommen noch zwei Gäste aus Deutschland, Rainer und Gerhard, die wir gemeinsam in Fairbanks am Flughafen abholen. Gerhard ist zum zweiten mal da und hat sein Versprechen wiederzukommen wahr gemacht (vgl. Gerhard's Bericht von 1999). In den nächsten Tagen geht's dann jeweils mit drei Schlitten hinaus und Andi begleitet uns auf dem Snowmobil.

Einen Tag verbringen wir bei einem Stadtbummel durch Fairbanks, während Andi auf dem Rennplatz in Fairbanks sein Renn-Team trainiert. Dieter, ein Freund von Andi, ist noch angekommen und bleibt für ein paar Tage. Mit ihm zusammen sind wir dann nachmittags noch zum Bahndamm raus. Dort lag seit zwei Tagen ein toter Elch, den die Railroad erwischt hatte. Da die Indianer nicht kamen, um sich die brauchbaren Teile davon zu holen, wollten wir dies tun. Mit Beil und Säge ausgerüstet, rückten wir dem tiefgefrorenen Elch zu Leibe und holten uns zwei riesige Keulen, die einigermaßen unversehrt waren, der Rest des Tieres blieb für die Raben liegen. Und für Dino, den Leader von Gerhards Schlitten, der sich in den darauffolgenden Tagen nach jeder Ausfahrt weigerte, einfach an diesem Leckerbissen vorbei zu laufen. Unsere beiden Keulen haben wir dann in der Hütte aufgetaut, das Fell abgezogen und die besten Stücke zu einem leckeren Elch-Goulasch verarbeitet.

Nach mehreren Tagen ausreichendem Training auf dem Schlitten wollen wir dann auf eine Drei-Tagestour durch die White Mountains. Es wird der absolute Höhepunkt dieses Urlaubs und ein wirklich unvergessliches Erlebnis. Drei Tage lang nichts als unberührte Natur, Berge, Gletscher, endlose Weite, Einsamkeit, Übernachtung in kleinen Cabins oder im Freien bei -30°C, Sternenhimmel und Nordlichter über dir .......

Nein, Schluss! Davon zu schwärmen und zu erzählen, darf ich erst gar nicht anfangen, sonst höre ich überhaupt nicht mehr auf. Diese Tour muss jeder einfach selbst erleben!!!!!!

Der ganze Bericht hier wird sowieso schon wieder viel zu lang. Ich muß mich kürzer fassen. So geht es jedes Mal, wenn ich von diesem Urlaub erzähle, ufert es aus. Aber es gäbe doch auch so viel worüber ich eigentlich noch schreiben müsste, wie z.B. über die Fahrt mit den Hundeschlitten auf dem zugefrorenen Tanana bis kurz vor Fairbanks, über den Start der "North American Open" in Fairbanks, wo ich als Doghandler beim Start von Andi mit dabei war, über das Barbeque am Lagerfeuer draußen bei ?25°, bei dem es Hamburger mit gefrorenen Salatblättern gab und einem das Bier in der Flasche vereiste, über die Moose-Kuh, die sich mit ihrem Kalb tagelang in der Nähe des Kennels aufhielt, ..........

Für immer unvergesslich bleiben wird mir auch der Gesang der Huskies. Etwas, das für mich fast noch überwältigender war als die Nordlichter. Zweimal durfte ich das während meiner Zeit im Kennel erleben. Später Nachmittag, die Dämmerung hat bereits eingesetzt, absolute Stille im ganzen Kennel. Ganz leise fängt ein Husky an zu singen. Das ist nicht das aufgeregte Geheule wie vor jedem Start, das ist wie ein unwirklicher, wunderschöner Gesang. Ein zweiter Husky stimmt ein, dann ein dritter und plötzlich singt der ganze Kennel, eine so schöne, sanfte Melodie, dass mir Schauer über den Rücken laufen (noch jetzt, während ich das schreibe und in Gedanken wieder höre!).

Wer mehr über dieses Wintermärchen mit Nordlichtern und Husky-Gesang erfahren möchte, kann mich unter e-Mail: allamueller@web.de erreichen, falls ich nicht gerade wieder in Alaska bin! Denn Vorsicht bei der Buchung dieses Urlaubs, es besteht absolute Suchtgefahr. Ich war nach diesem Urlaub gleich letztes Jahr noch zwei mal in Alaska ......

Ich wünsche allen einen so wunderschönen und unvergesslichen Urlaub, wie ich ihn erlebt habe.

 

Alla Müller

 
© 2010 - 2016 | design by guarddog IT e.U.